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"Die Jugendlichen finden es super, mit Erwachsenen zusammenzuarbeiten."

Interview mit Markus Gander, Gründer und Geschäftsführer von Infoklick.ch, der Plattform zur Kinder- und Jugendförderung, hält politische Mitwirkungsmöglichkeiten von Jugendlichen für einen Erfolgsfaktor innerhalb der Generationenbeziehungen.

Sie sind innerhalb von Infoklick.ch zuständig für den Bereich Politik. Seit mehr als zehn Jahren führen Sie das Projekt „Jugend Mit Wirkung“ durch, das Jugendliche motivieren soll, ihre Wohngemeinde mitzugestalten. Wie kam es dazu?

Markus Gander: Die Berner Gemeinde Moosseedorf wollte ihre Attraktivität steigern und suchte einen Weg, dank dem sich ihre jungen Bewohner stärker mit ihrem Wohnort identifizieren. Wir waren uns schnell einig, dass die Jugendlichen mehr Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung ihrer Gemeinde brauchen. Keine Selbstverständlichkeit, da sie ja erst mit 18 Jahren wählen und abstimmen dürfen. So wurde ein Mitwirkungsmodell entwickelt, das den Jungen erlaubt, ihre Ideen schnell, direkt und effizient in die Tat umzusetzen.
Welche Rolle spielen die Erwachsenen?
Gander: Sie unterstützen die jungen Leute, indem sie Kontakte zu anderen Erwachsenen knüpfen. Zu Fachleuten wie Schreinern oder Architekten, deren Know How beispielsweise beim Bau einer Skateranlage vonnöten ist. Zu Teilen der Bevölkerung, die von einem geplanten Open Air-Konzert betroffen wäre. Aber auch zu Vertretern des Gemeinderats oder der Jugendkommission, die über die Finanzierung eines Projekts entscheiden müssen. Nach durchschnittlich drei Sitzungen des Organisationskomitées, in dem Jung und Alt gleichermassen vertreten sind, präsentieren die Jungen ihre Ideen am sogenannten Mitwirkungstag. Innerhalb von zwei, drei Stunden werden aus Ideen in aller Regel fixfertige Projekte, die nun umgesetzt werden.
Wieviele Projekte wurden bis heute realisiert?
Gander: In den knapp hundert Gemeinden, die sich heute an „Jugend Mit Wirkung“ beteiligen, Hunderte. Das reicht von der Schülerzeitung, die am nächsten Tag in Angriff genommen werden kann, bis zum Jugendzentrum, das eine zweijährige Bauzeit erfordert.
Wie erleben die Jugendlichen die Zusammenarbeit mit den Erwachsenen?
Gander: In einer Evaluation, die die Universität München für uns durchgeführt hat, betonten die jungen Leute, dass sie die Zusammenarbeit mit den Erwachsenen super fanden. Es sei toll gewesen, von ihnen ernstgenommen und unterstützt zu werden. Dieser Generationenaustausch hatte interessanterweise einen höheren Stellenwert als das Projekt selber.
Wie lauteten die Reaktionen der Erwachsenen?
Gander: Genau gleich. Sie äusserten sich sehr positiv über die Begegnungen mit den jungen Leuten, die sie als engagiert, realistisch und höflich erlebten. Es ist wirklich eindrücklich, mit welcher Offenheit die Jugendlichen auf die Erwachsenen zugehen, frei von Berührungsängsten.
Mit welchem Verhalten von seiten der Erwachsenen haben die Jugendlichen Mühe?
Gander: Auf Besserwisserei sind sie allergisch. Der Sechzigjährige, der als einziger weiss, wie das Leben funktioniert, und sie das ständig spüren lässt, stösst auf Ablehnung.
Was stört die Erwachsenen an den Jungen?
Gander: Im Rahmen unseres Projekts haben wir es natürlich mit Erwachsenen zu tun, die jungen Leuten von Anfang an mit viel Wohlwollen und Wertschätzung begegnen. In den Pausengesprächen klagt vielleicht mal jemand über das „Herumhängen der Jungen auf öffentlichen Plätzen oder das Zusammenrotten in Gruppen.“ Dabei hängen die Alten ja genauso viel herum, nur können sie es sich leisten, sich in Beizen zu treffen.

Markus Gander

Markus Gander, 45, ist ursprünglich Sekundarlehrer. Er hat infoklick.ch 1998 gegründet und leitet heute die Plattform, die über sieben Regionalstellen verfügt und 30 Mitarbeitende beschäftigt. Infoklick.ch informiert Kinder und Jugendliche, berät sie, bietet auch direkte Hilfe und Vernetzungen an. Pro Jahr werden rund 30'000 Anfragen beantwortet.

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