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Die Kleinsten bleiben in Familienzentren im Fokus

Familienzentren diskutieren Öffnung für generationenverbindende Angebote. Es gibt denn auch Stimmen, die befürchten, Familienzentren würden in der alternden Gesellschaft zu viele Senioren anziehen.

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Netzwerk Bildung und Familie

Familienzentren diskutieren Öffnung für generationenverbindende Angebote

Wer häufig alleine mit kleinen Kindern daheim ist, verspürt früher oder später das Bedürfnis nach Austausch mit anderen Eltern und gleichaltrigen Kindern. In den Kantonen Zürich, Bern, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Aargau, Solothurn, Sankt Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Luzern, Schwyz, Zug und Graubünden tragen rund 120 Familienzentren mit unterschiedlichen Trägerstrukturen diesem Bedürfnis Rechnung. Ein bedeutender Teil davon befindet sich im Kanton Zürich.

«Seit über 40 Jahren haben Familienzentren sehr unterschiedliche Ziele. Das geht über einfache Begegnungsorte bis zu Beratungs- und Bildungsangeboten für Familien mit jungen Kindern.», erzählt Maya Mulle, Geschäftsleiterin des Netzwerks Bildung und Familie, das Gemeinden bei entsprechenden Projekten unterstützt. Begegnungen zwischen Müttern – immer mehr auch Vätern – und Kindern zwischen 0 und 4 Jahren stehen im Zentrum. Rund die Hälfte aller Familienzentren richtet sich ausschliesslich an diese: «Familien mit jungen Kindern soll einen Zugang zur Gesellschaft ermöglicht werden», sagt Maya Mulle. Wer selber nur über wenige Kontakte verfügt, ist auf solche institutionalisierten Kontaktmöglichkeiten angewiesen. Die Familien sollen dank dem sozialen Austausch in den Familienzentren bei ihren Erziehungsaufgaben und bei einer kindgerechten Gestaltung des Alltags unterstützt werden. Bei Bedarf können einzelne Familien auch von Fachpersonen unterstützt und begleitet werden.

Intergenerative Konzepte und Angebote

Die Trägerschaft stellt das Konzept und den Raum zu Verfügung, erklärt Maya Mulle. In einigen Familienzentren sind generationenverbindende Angebote Teil des Konzepts. Unter den Freiwilligen gibt es oftmals auch Seniorinnen, die in der Cafeteria mitarbeiten, den Kindern vorlesen oder für ein offenes Mittagessen kochen. Senioren reparieren vor Ort kaputte Gegenstände. Grossmütter verbringen gerne Zeit mit ihren kleineren Enkeln im Familienzentrum.

Verantwortliche und Mitwirkende in Familienzentren zeigten an einem Workshop des Netzwerks Bildung und Familie grosses Interesse an weiteren Aktivitäten, in denen die ältere Generation vermehrt eingebunden werden soll. Auf der Ideenliste standen etwa Turnen für Klein und Gross, Strickzirkel oder gemeinsames Gärtnern mit Hochbeeten. «Wenn eine Gemeinde oder ein Familienzentrum solche Angebote aufbauen möchte, sind wir durchaus offen, diese beim Aufbau zu begleiten», führt Maya Mulle aus. Wichtig sei, dass die Infrastruktur und die Räume dafür auch geeignet seien: «Konkret bedeutet dies ein genügend grosses Haus.» Denn für ältere Besucher seien die kleinen Kinderstühle beispielsweise nicht geeignet oder auch nicht Räume, deren Böden von Bauklötzen und anderen Spielsachen übersät seien.

«Einige Familienzentren wollen einen Mehrwert für möglichst viele Altersgruppen bieten. Der Rahmen muss besonders für kleine Kinder und ihre Familien stimmen. Für sie gibt es nur wenige Orte, die genau ihren Bedürfnissen entsprechen», betont Maya Mulle. Es gibt denn auch Stimmen, die befürchten, Familienzentren würden in der alternden Gesellschaft zu viele Senioren anziehen. «Uns ist wichtig, dass die generationenverbindenden Angebote für alle Beteiligten einen Mehrwert haben. Auf keinen Fall dürften kleine Kinder, die selber noch nicht entscheiden können, zu gewissen Aktivitäten gezwungen werden.», sagt Maya Mulle.

Und wie steht es mit den älteren Geschwistern, mit Kindern ab 4 Jahren und Teenagern? Nur gerade ein Familienzentrum bietet derzeit ein Angebot für ältere Kinder an. Das werde sich auch künftig nicht gross ändern, meint Maya Mulle: «In Gemeinden und besonders in Städten ist die Offene Jugendarbeit aktiv und bietet zum Teil in Gemeinschafts- oder Quartierzentren für diese Altersgruppen schon sehr viel. Sie finden dort schon viele passende Angebote.»

 

Ein Blogbeitrag von Daniela Kuhn

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2 Kommentare

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    Liebe Frau Mulle,
    als ehem. Geschäftsleiter der ZH Gemeinschaftszentren begrüsse ich die Initiative der Familienzentren. Ich empfehle ihnen für die weitere Arbeit mit meiner Nachfolgerin Sabine Schenk Kontakt aufzunehmen. Sie kann u.a. die Frage beantworten, ob wirklich Gefahr besteht, dass Senior*innen zu viel Platz einnehmen, was ich bezweifle.
    Mit freundlichen Grüssen, Christian P. Casparis

    Guten Tag Herr Caspari
    Ich werde den Hinweis gerne weiterverfolgen. Vielleicht hätten Sie Lust, aus Ihrer Sicht einige Anregungen zu formulieren? Es gibt ja kaum jemanden mit so viel Einblick in verschiedene Familienzentren.

    Beste Grüsse
    Maya Mulle

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